Anwohner kritisieren die Baupläne für 1500 Wohnungen in Neubrück und Rath/Heumar, da wertvolle Grünflächen gefährdet sind.
NeubauprojekteBürger kritisieren Bau von Wohnungen auf Wiese im rechtsrheinischen Köln

Auf dieser Fläche am Brück-Rather-Steinweg soll gebaut werden.
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Es gibt große Pläne für Neubrück. Und es gibt nicht wenige vor Ort, denen die Pläne deutlich zu groß sind. Zwei Bebauungsplanverfahren hat der Stadtentwicklungsausschuss beschlossen. Am Brück-Rather-Steinweg hat sich die Kölner Entwicklungsgesellschaft (KEG) derzeit landwirtschaftlich genutzte Flächen gesichert, um dort 350 bis 400 Wohneinheiten vom Einfamilienhaus bis zum Geschosswohnungsbau anzusiedeln.
Darüber hinaus ist der Bau einer Schule, einer Sportanlage und Gewerbebauten geplant. Hochwertige Grünanlagen und Spielplätze sind ebenfalls Teile der Planung. Der Investor rechnet für Ende der 20er Jahre mit dem Einzug der ersten Bewohner. Gesellschafter der KEG sind die Immobilienentwickler Dornieden Gruppe, Bauherrin des Linné-Parks an der Eupener Straße in Braunsfeld mit 450 Wohneinheiten. Dazu kommen die Amand Unternehmensgruppe, die Widdersdorf-Süd entwickelt hat, und die RBL Rheinbauland AG.
30 Prozent der Wohnungen am in Rath/Heumar sind öffentlich gefördert
Nur durch den Rather See getrennt dreht die GAG am Neubrücker Ring ein noch größeres Rad. Das städtische Wohnungsbauunternehmen hat eine Machbarkeitsstudie vorgelegt. Demnach sollen auf dem ehemaligen, 16,3 Hektar großen Gelände der Madaus-Gärten 850 Wohneinheiten in mehrstöckigen Wohnblöcken entstehen, die frei finanziert und öffentlich gefördert werden. Zum neuen Quartier gehören zwei Kindertageseinrichtungen, Parks und Spielplätze. Gebaut wird nach den Vorschriften des kooperativen Baulandmodells. Das heißt, dass mindestens 30 Prozent der neuen Wohnungen öffentlich gefördert sein müssen.
Informationsveranstaltung überfüllt
Groß sind die Pläne, groß ist aber auch die Kritik der Menschen vor Ort. Der Bürgerverein Neubrück, das „Bündnis für die Felder“ und eine weitere Initiative, zu der sich Menschen aus Neubrück zusammengetan haben, hatte zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in den Treff im Pavillon an St. Adelheid eingeladen. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. Schon eine halbe Stunde vor Beginn waren alle Plätze im Treff besetzt. Etwa 50 Leute mussten unverrichteter Dinge nach Hause gehen. Deshalb hat man sich entschlossen, die Veranstaltung am heutigen Donnerstag, 3. April, ab 19 Uhr im Treff im Pavillon gegenüber des Drogeriemarktes Rossmann zu wiederholen.

Blick vom Neubrücker Ring in die Bestandsbebauung. Ein Flugzeug überfliegt ein Hochhaus.
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200 Bürgerinnen und Bürger aus Brück, Neubrück und Rath/Heumar hatten Einlass gefunden. „Obwohl die Planung bereits weit vorangeschritten ist, hält die Stadt es bislang nicht für erforderlich, die betroffenen Bürger aktiv in die Planung einzubeziehen“, so Frank Patt, Mitinitiator des Treffens. „Unser Ziel war es, mit dieser Veranstaltung den Bürgern einmal aufzuzeigen, was da auf uns zukommt“. Mit den beiden Bauprojekten „Brück-Rather Steinweg“ und „Madaus Gartengelände“ würden in der Endausbaustufe etwa 300.000 Quadratmeter Grün- und Ackerland bebaut und teils versiegelt. Dies entspreche einer Fläche von etwa 44 Fußballfeldern.
„Seit Jahren weisen wir schon auf die ökologischen Folgen einer solchen umfangreichen Flächenvernichtung hin“ sagt Peter Jüde vom Bündnis für die Felder. Aber die Konsequenzen reichten über ökologische Fragen weit hinaus. Mit dem Neubau von 1500 Wohnungen, einer Schule und der Ansiedlung von Gewerbe auf engstem Raum werde nicht nur ein wertvolles Naherholungsgebiet vernichtet. Auch die bestehende Verkehrsinfrastruktur werde massiv überlastet. Die Machbarkeitsstudie bringt es auf den Punkt: „Aufgrund der derzeit noch ungünstigen Anbindung an den ÖPNV ist gemäß Anlage zur Stellplatzsatzung der Stadt Köln derzeit keine Abminderung der Anzahl notwendiger Stellplätze möglich.“
Kurz: Es fährt dort keine Bahn, es fahren nur Busse. Deshalb werden wohl die meisten das Auto nutzen. „Neubrück mit seinen 10.000 Einwohnern wird bisher nur von einer einzigen Buslinie versorgt, der Zuzug weiterer ca. 2.000 Menschen wird den Nahverkehr kollabieren lassen. Der schon lange geplante Bau einer Straßenbahntrasse durch Neubrück wird mit dem Beschluss der Stadt für den Ausbau der Ost-West-Trasse auf Jahrzehnte verschoben werden“ berichtet Sylvia Schrage, Vorsitzende des Bürgervereins Neubrück.
Öffentlichkeit kaum beteiligt
Schrage ärgert sich auch über das Ansinnen der Verwaltung, die Öffentlichkeit möglichst wenig zu beteiligen. „Die Pläne werden offen gelegt, und die Bürger haben nur die Möglichkeit, sich schriftlich zu äußern. Wert legen alle Beteiligten darauf, dass sie natürlich die Notwendigkeit sehen, in Köln Wohnraum zu schaffen. Aber nicht auf Grünflächen.“ Dazu Jüde: „Es fehlt uns nicht an Flächen, sondern an Fantasie in der Stadtplanung und der Politik, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen.“