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„Ein unheimlich netter Mensch“Heute vor 25 Jahren starb der ehemalige Kölner OB Harry Blum

Lesezeit 5 Minuten
Ein Blick zurück: Harry Blum (l.) mit Sprecher Karl-Heinz Merfeld und Ehefrau Carola Blum im Senatshotel.

Ein Blick zurück: Harry Blum (l.) mit Sprecher Karl-Heinz Merfeld und Ehefrau Carola Blum im Senatshotel.

Sein Sprecher Karl-Heinz Merfeld erinnert sich an den Menschen Harry Blum, seinen Humor, seine Zugewandtheit, sein politisches Gespür. Wir haben zugehört.

An diesem Montag ist es 25 Jahre her, dass der damalige Oberbürgermeister Harry Blum (CDU) gestorben ist. Der damals 55-Jährige war nicht einmal ein halbes Jahr im Amt. Nach einem Infarkt hatte man ihn bei einer Herz-Notoperation nicht mehr retten können. An Blum, der nach einer Änderung der Gemeindeordnung der erste vom Volk direkt gewählte und hauptamtliche Kölner Oberbürgermeister war, erinnern sich noch viele in der Stadtgesellschaft. Einer von ihnen ist Karl-Heinz Merfeld.

Als junger Verwaltungsbeamter hatte er Anfang der 1990er Jahre als Referent der CDU-Fraktion im Kölner Rathaus gearbeitet. Da hat er Blum kennengelernt, der damals noch Johannes Jacob hieß. Erst als er später öffentlich bekannter wurde, hatte er seinen Spitznamen Harry offiziell als neuen Vornamen in seinen Personalausweis eintragen lassen. Merfeld erinnert sich im Gespräch mit der Rundschau daran, dass Harry Blum die Fraktionssitzungen zuweilen etwas langweilig gefunden habe.

Haben Sie mal einen Witz?
Harry Blum zu seinem Sprecher Karl-Heinz Merfeld

Mitarbeiter wie Merfeld saßen in den Sitzungen in einer Reihe hinter dem Vorstand der Fraktion. Einmal sei Blum plötzlich aufgestanden, so Merfeld, habe seinen Stuhl neben ihn gestellt und sich hingesetzt: „Haben Sie mal einen Witz?“ Damit begann eine jahrelange Freundschaft. Merfeld musste so häufig Witze erzählen, über die Blum herzlich lachte, dass der damalige CDU-Fraktionschef Albert Schröder die Beiden häufig ermahnen musste. „Der war eben cool“, erinnert sich Karl-Heinz Merfeld gerne an Harry Blum: „Er hatte immer verdammt viel politisches Gespür und eben auch eine gehörige Prise Humor.“

In der Tat hatte Harry Blum häufig ein schelmisches Grinsen im Gesicht. Er sei oft unterschätzt worden, erzählt Merfeld – auch noch, als er fast neun Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt war. Blum hatte Merfeld damals in sein Büro geholt: „Meine Aufgabe war vor allem, ihn in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Gemeinsam mit Harry Blum spitzte er die politische Forderung zu, aggressive Bettler aus der Innenstadt zu vertreiben: „Noch am selben Abend saß Harry Blum im Fernsehstudio bei Sat1 in Berlin.“ Zu besten Sendezeit um 20.15 Uhr habe er bei Moderator Ulrich Meyer seine Position verteidigt: „Auf einen Schlag war Harry Blum plötzlich sogar über Köln hinaus bekannt.“

Harry Blum tanzt mit seiner Frau Carola auf einem Ball - im Oktober 1995.

Harry Blum tanzt mit seiner Frau Carola auf einem Ball - im Oktober 1995.

Merfeld und Blum wurden zum kreativen Gespann, das Spuren in der Stadt hinterließ. Mehrfach hatte der CDU-Politiker einen Weihnachtsmarkt auf dem Roncalliplatz gefordert, was immer wieder von SPD und Grünen abgelehnt worden war. „Die wollten einem CDU-Bürgermeister den Erfolg nicht gönnen“, meint Merfeld. Letztlich setzte er sich durch. „Auch privat war er immer ein unheimlich netter Mensch“, erzählt der inzwischen pensionierte Beamte. Das Team aus dem Bürgermeisterbüro habe Blum einmal nach Gran Canaria eingeladen, habe alles bezahlt. Man habe viel Spaß mit Blum gehabt, nur tanzen wollte der abends nicht: „Er saß lächelnd mit seiner Zigarre dabei und freute sich, dass wir Spaß hatten.“

Das war eine unglaubliche Aufbruchstimmung.
Karl-Heinz Merfeld

Bei der Oberbürgermeisterwahl 1999 ging Harry Blum als Außenseiter ins Rennen. Dann aber musste mit Klaus Heugel der Favorit von der SPD im Zuge einer Aktienaffäre zurücktreten. Das passierte so kurz vor der Wahl, dass die Sozialdemokraten keinen neuen Bewerber aufstellen konnten. Blum wurde nach vielen Jahren der erste CDU-Mann an der Stadtspitze.

In seiner neuen Funktion handelte Harry Blum schnell. Er holte Karl-Heinz Merfeld ins Presseamt, übertrug der Behörde die zusätzliche Funktion der Bürgerinformation. Im neu geschaffenen Bürgerladen hielt Blum regelmäßige Sprechstunden ab. „Das war eine unglaubliche Aufbruchstimmung“, erinnert sich Merfeld. Blum ließ Brunnen im Stadtbild wieder sprudeln und Sehenswürdigkeiten abends beleuchten. In der Stadtverwaltung habe er darauf geachtet, dass Mitarbeiter nicht mehr nach Parteibuch, sondern ausschließlich nach Befähigung befördert werden, betont Merfeld.

Er war humorvoll und zugänglich, ließ die Menschen an sich heran. Das spüre ich bis heute, weil ich immer noch oft positiv auf ihn angesprochen werde.
Carola Blum

Harry Blum war 1944 im Sauerland geboren worden. Seine Kölner Familie war im Zweiten Weltkrieg dorthin geflüchtet. Später zog er nach Köln zurück, auf einen alten Bauernhof in Sürth. Dort lebte er mit seiner Frau Carola, die er 1967 bei der Jungen Union kennengelernt hatte. „Er hatte eine feine, intellektuelle Art“, beschreibt Carola Blum heute ihren vor 25 Jahren verstorbenen Mann: „Er war humorvoll und zugänglich, ließ die Menschen an sich heran. Das spüre ich bis heute, weil ich immer noch oft positiv auf ihn angesprochen werde.“

Harry Blum war gerade fünfeinhalb Monate im Amt, als die ZDF-Livesendung „Wetten, dass…“ in Köln stattfand. An dem Samstagabend sollte er bei einer Stadt-Wette dafür sorgen, dass während der Ausstrahlung bekannte Musiker auf die Bühne kommen. Die Wette wurde gewonnen, Harry Blum grinste in der ersten Reihe der Zuschauerbänke. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt sein. Am Morgen danach musste er ins Krankenhaus.

Harry Blum Stiftung unterstützt das Herzzentrum der Uniklinik Köln

„Die Ärzte sagten mir, dass er am Herzen operiert werden müssen und nur eine 50-prozentige Überlebenschance hatte“, berichtet Carola Blum. „Wenn ich sterbe, wirst du viele Entscheidungen treffen müssen“, habe er gesagt. Eine dieser Entscheidungen war, ihn auf dem Friedhof im heimischen Sürth beerdigen zu lassen. Dafür hat sie ein Ehrengrab auf Melaten, das ihm als Oberbürgermeister zugestanden hätte, abgelehnt.

Und sie hat mit der Harry Blum Stiftung dafür gesorgt, dass die Kardiologie an der Kölner Uniklinik, wo Blum bis zum Tod versorgt wurde, besser ausgestattet wurde. Unter anderem wurde über gesammelte Spenden ein Abschiedsraum installiert, den es zuvor nicht gab. Noch heute wirbt Carola Blum für die Stiftung, die inzwischen unter dem Dach der Deutschen Herzstiftung aktiv ist. Sie wünscht sich, dass andere ihrem Beispiel folgen und Zustiftungen machen.

Harry-Blum-Platz im Rheinauhafen erinnert an beliebten Kölner OB

Als Harry Blum starb, hatte Karl-Heinz Merfeld eine der schwierigsten Aufgaben seines Berufslebens. Er organisierte die Trauerfeier im Gürzenich mit, schrieb die Rede für Fritz Schramma, der damals ehrenamtlicher Bürgermeister war – eine Position, die Harry Blum viele Jahre lang vor ihm innehatte. Die zentrale Passage hatte Merfeld im öffentlich im Rathaus ausgelegten Kondolenzbuch für Blum gefunden. „Du fährst gern Fahrrad, ich fahre gern Fahrrad“, hatte ein kleiner Junge dort formuliert: „Ich hoffe, dass Du im Himmel auch ein Fahrrad hast.“

Im Rheinauhafen erinnert heute der Harry-Blum-Platz an den beliebten Oberbürgermeister. 25 Jahre nach seinem Tod hat Karl-Heinz Merfeld, der lange Blums Sprecher im Rathaus war, noch ein besonderes Andenken an seinen früheren Chef zu Hause. „Ich habe hier noch sein Handy“, erzählt Merfeld: „Ein Motorola, Baujahr 1999. Vielleicht gebe ich es demnächst mal im Kölnischen Stadtmuseum ab.“