4000 Erzieherinnen und Pflegekräfte demonstrierten am Freitag auf dem Heumarkt für bessere Bezahlung und mehr Freizeit.
Frauenstreiktag130 Kölner Kitas wegen Streik geschlossen

Streiktag der Frauenberufe im Öffentlichen Dienst
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Mit Trillerpfeifen und Plakaten zogen am Freitag gleich zwei Demonstrationszüge durch die Stadt zum Heumarkt: vom Hans-Böckler-Platz ging es über die Ringe und die Hahnenstraße, im Rechtsrheinischen versammelten sich die Demonstranten in gelben Warnwesten auf dem Ottoplatz und liefen über die Deutzer Brücke.
Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Frauenstreiktag die Beschäftigten von Bund und Kommunen in Einrichtungen der Sozialen Arbeit und Erziehung sowie der Pflege und Gesundheit aufgerufen. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, aber auch der „Equal Pay Day“ am 7. März, der symbolisch auf auf Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen hinweisen will.
Hohe Arbeitsbelastung, hoher Krankenstand und chronischer Personalmangel
Die Resonanz war vor allem bei den städtischen Kindertagesstätten groß: Von den 212 Einrichtungen blieben 130 wegen des Streiks geschlossen und 72 boten nur ein reduziertes Angebot der Betreuung an. Nur zehn Einrichtungen waren am Freitag regulär geöffnet. Rund 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatte, laut eines Verdi-Sprechers, die Kundgebung auf dem Heumarkt. „Stoppt die Kita-Strophe“ stand auf einem Plakat, auf einem anderen „Ich kann gar nicht so schlecht arbeiten, wie ich bezahlt werde“.
Nina Reuter, Personalratsvorsitzende der städtischen Kitas, sprach auf dem Podium vor allem über die Belastung und den Druck, der auf den Erzieherinnen und Erziehern liege:eine hohe Arbeitsbelastung, ein hoher Krankenstand und chronischer Personalmangel. „Dabei kommen auch die Kinder zu kurz“, so Reuter. „Wir müssen alle Planstellen besetzen, damit wir den Beruf ohne Stress und Zeit für Bildungsangebote ausüben können. Dafür muss aber auch die Bezahlung angepasst werden.“ Viele seien frustriert. „Bei uns gehen immer öfter Fragen zu Kündigungsfristen ein.“
Ich will keine Heldin sein, sondern einfach nur eine Krankenschwester.
Auch Mitarbeitende der Städtischen Kliniken, der LVR Klinik Köln und der Sozialbetriebe Köln (SBK) beteiligten sich am Streik. Kernziele sind eine für bessere Bezahlung und mehr Freizeitausgleich. Kerstin Bunz, Krankenschwester an der LVR-Klinik Köln, spielte auf den aktuellen Kinofilm „Heldin“ mit Leonie Benisch an, in dem es um eine junge Pflegefachfrau geht. „Ich will keine Heldin sein, sondern einfach nur eine Krankenschwester“, so Bunz. „Unser Beruf muss wieder attraktiver werden“, sagte auch Anja Harig, Kinderkrankenschwester an der Amsterdamer Straße. Dazu müssten vor allem die Wechselschichten besser entlohnt werden. „Wir arbeiten aktuell im Kinderkrankenhaus auf manchen Stationen im Normalbetrieb bereits mit der Notbesetzung.“
Am Equal-Pay-Day ging es auch um die Care-Arbeit, die viele Frauen leisten, also Tätigkeiten der Fürsorge, des Sich-Kümmerns und der Pflege von anderen Personen. Daher brauche es mehr Beschäftigte und Möglichkeiten zur zeitlichen Flexibilität, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gewährleisten, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. „Das Leben der Beschäftigten ist oft durch Doppelt- und Dreifachbelastungen geprägt. Neben der Arbeit müssen die eigenen Kinder versorgt und Angehörige gepflegt werden“, so Behle.
Dritte Verhandlungsrunde startet am 14. März
Die zweite Verhandlungsrunde endete ohne Angebot für die Beschäftigten, die dritte Runde beginnt am 14. März. Verdi hat weitere Warnstreiks und Proteste angekündigt.