Einsatz an Rodenkirchener BrückeHunderte Tonnen Ladung müssen vom Schiff

Verfahrene Lage: Der 5000 Tonnen fassende Koppelverband „Christiane Deymann“ sitzt auf dem Grund des Rheins fest,
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Köln – Das wird ein Kraftakt: Um das festgefahrene Schiff südlich der Rodenkirchener Brücke wieder freizubekommen, müssen Einsatzkräfte mehrere hundert Tonnen Ladung von der „Christiane Deymann“ abladen. Der Koppelverband der Reederei Deymann aus Haren (Ems) hat große Mengen Betonstahl und Drahtrollen geladen.
Das Schiff hatte sich am Dienstagmittag in seine missliche Lage gebracht. „Der Kapitän ist zu nah am Ufer des Rheins gefahren“, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei der Rundschau. Der zuständige Wasserbaumeister Wolf Nagelschmidt meint: „Der Schiffsführer hat sich vermutlich versteuert.“ Der Experte vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Köln hat nun die Aufgabe, die Bergung zu organisieren. Und das ist kein leichter Job. Um das Schiff wieder flott zu bekommen, müssen Hunderte Tonnen Ladung runter. „Leichtern“ nennen das die Fachleute.
Optimistisches Ziel
Wie lange das dauert? „Das Endspiel der Fußball-WM am Sonntagabend wollen wir sehen“, scherzt Nagelschmidt. Wenn alles optimal laufe, sei der Frachter bereits am Donnerstag ausreichend geleichtert und könne weiterfahren. Eine genaue Prognose wollte er aber nicht abgeben.

Schwere Ladung: Ein Teil der Drahtrollen an Bord des Frachters muss mit einem Kranschiff auf einen Leichter umgeladen werden.
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Am Mittwochabend traf das Baggerschiff „Doris“ aus Mondorf bei dem Havaristen ein. Mit einem speziellen Geschirr wurde begonnen, einen Teil der tonnenschweren Drahtrollen umzuladen. Das Problem: Der Wasserstand des Rheins sinkt derzeit weiter. „Das erschwert die Bergung. Bei einem ersten Versuch, das Schiff freizubekommen, bewegte sich der Koppelverband keinen Millimeter“, erläutert Nagelschmidt.
Niedriger Pegel
Das Gefährt habe sich kräftig im Kies auf der Flusssohle festgefahren. Der Pegelstand lag am Mittwochnachmittag am Einsatzort bei etwa 2,00 Metern und sinkt bis Donnerstag vermutlich auf rund 1,80 Meter. Wichtig sei auch, dass der Rhein bei der Bergung ein ruhiges Fahrwasser hat. Um dies zu gewährleisten, müssten vorbeifahrende Schiffe langsamer fahren. Die Kapitäne würden eine Anweisung bekommen, sich an die Langsamfahrt zu halten. Sollte wegen hoher Wellen eine tonnenschwere Drahtrolle ins Wasser fallen, würde dies die Bergung deutlich verzögern.
Die Kosten für die Aktion trägt der Versicherer des Schiffes. „Wir gehen mindestens von mehreren tausend Euro aus“, sagt Nagelschmidt. Eine genaue Summe kann er nicht nennen. Die Beamten der Wasserschutzpolizei wollen den Kapitän zu dem Vorfall befragen. Derzeit geht die Behörde laut Sprecher von einem „verkehrsrechtlichen Verstoß“ aus. Weitere Angaben machte die Polizei nicht.