Mit MOSQ feiert die Gemeinde der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld den sechsten Jahrestag der Eröffnung des Gebetssaals. Wieder werden über 20 000 Besucherinnen und Besucher erwartet.
Mit Grußwort von Architekt BöhmKölner Moscheegemeinde feiert Tulpenfest

Wieder werden zu den vier Festtagen über 20 000 Besucherinnen und Besucher erwartet.
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„MOSQ“ klingt nach einem neuen Rock-Festival-Format. Tatsächlich wählten junge Muslima und Muslime die vier Großbuchstaben als Titel für die zweite Ausgabe des nachbarschaftlichen Kulturfestes rund um die Zentralmoschee an der Venloer Straße/Inneren Kanalstraße. MOSQ setzt das Tulpenfest vom vergangenen Jahr fort – Tulpenfest deshalb, weil die Türken bereits im 13. Jahrhundert, 300 Jahre vor den Holländern, die Blume kultivierten, besangen und als Symbol verwendeten.
Mit MOSQ feiert die Moscheegemeinde wie schon beim Tulpenfest den Jahrestag des ersten Gottesdienstes im fertiggestellten Gebetssaal am 9. Juni 2017. Wieder werden zu den vier Festtagen über 20 000 Besucherinnen und Besucher erwartet.
Vom frühen Nachmittag am Fronleichnamsfeiertag bis Sonntagabend stehen Auftritte von 24 Musikerinnen und Musikern, Kreativangebote, Erzähl- und Clowntheater, eine Foto-Ausstellung sowie Einblicke in die Kunst der Koranrezitation auf dem Programm. Ein vergrößerter Teegarten und Imbissstände laden zu leiblichen Genüssen ein. Die Geschäfte im Untergeschoss der Moschee bieten ihre Waren vor der Tür an. Der Spielezirkus unterhält die Kinder. „MOSQ“ bringe „das Versprechen, die Zusage, Teil des Veedels und der Stadt Köln“ ist, einen Schritt weiter, betonte Muharrem Kuzey, Bundesverbandsvorsitzender der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib).
„Spektakulär, kühn und visionär“
Der promovierte Theologe sprach von einem Vermögensmehrwert, den die Moschee, deren Architektur er „spektakulär, kühn und visionär“ nannte, zu einer multiethnischen Gesellschaft beitrage. Als Eröffnungsredner waren der Kölner Architekt Paul Böhm und Alt-Oberbürgermeister Fritz Schramma eingeladen. Dass spricht für Aussöhnung nach jahrelangem Streit um Baumängel. Anfang der Woche hatten Ditib und Architekturbüro eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet und Meinungsverschiedenheiten beigelegt.
Ditib-Chef Kuzey zitierte sinngemäß den Schriftsteller Theodor Fontane: „Man muss die Musik des Lebens hören. Manche hören nur Dissonanzen.“ Daran knüpfte Böhm an: „Wichtig ist, dass man die Musik hört, die der Reichtum der Gesellschaft bietet, wenn auch nicht alle Musik immer schön ist und man wiederholt proben muss, bis ein schönes Musikstück herauskommt.“
Eine oft an ihn gestellte Frage, ob er noch einmal eine Moschee bauen würde, beantwortete der 64-Jährige jetzt. „Ja natürlich. Erst recht mit Blick auf die Dissonanzen in der Türkei. Weil die Bauherren hier deutsch sozialisiert sind und ankommen wollen.“ Er habe ein Haus bauen wollen, das durch offene und transparente Architektur den Gedanken der Vielfalt widerspiegelt, erklärte Böhm und schloss: „Ich hoffe, dass dieses Haus viel zur Kommunikation in der Gesellschaft beiträgt.“
Nachdem Fritz Schramma „das prächtige Bauwerk, das die Stadt Köln ziert“ gewürdigt hatte, schlug der Alt-Ob, der lange im Moscheebeirat saß, auch kritische Töne an. Zum 40. Jubiläum der Ditib am Standort Ehrenfeld im kommenden Jahr wünsche er sich, dass sich die Gemeinde an die Absprache hält, deutsche Übersetzungen von Imam-Gebeten auf Leinwand einzublenden. Außerdem vermisse er Geschäfte und Dienstleister in der Shopping-Mall, die auch im Alltag Moschee-Besuche für Kölnerinnen und Kölner attraktiv mache.