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„Ballermannisierung“ in KölnBündnis Innenstadt lud zum Plenum mit der Stadtdirektorin

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Schaafenstraße

Symbolbild

Ein großes Thema blieb der Alkoholverkauf, für viele die Wurzel der Belastung.

Eine Frage wird dem Bündnis Innenstadt wohl noch lange Kopfzerbrechen bereiten, und die formulierten sie erneut in der Einladung zum Plenum im Hotel Maritim. „Thema des Abends wird sein, wie wir die Nutzung des öffentlichen Raums in der Innenstadt so steuern können, dass wir dessen zunehmende Nutzung als Partyzone mit den negativen Begleiterscheinungen Lärm und Müll vereinbaren können, mit den legitimen Schutzbedürfnissen der Anwohner.“

Kürzer und forscher klingt dieselbe Überlegung umgangssprachlich: Die „Ballermannisierung“ wollen die Bürgervereine und Interessensgemeinschaften in den Griff bekommen. Durchgreifen, um verschiedene Nutzungsansprüche von öffentlichem Raum auszusöhnen, wollen natürlich auch die Verantwortlichen bei der Stadt.

Vieles passiert abseits und noch unterhalb der Strafbarkeit, sorgt aber für Unruhe.
Teilnehmerin

Weshalb Stadtdirektorin Andrea Blome zum wiederholten Male den Dialog suchte. „Es geht um Verkehr, Parken, Gastronomie, Veranstaltungen, umsonst und draußen, in einer Metropole mit Anziehungskraft“, sagte sie.

Einer einfachen Lösung nach Amsterdamer Vorbild schieben sowohl die Gewerbefreiheit als auch das aufgehobene Ladenschlussgesetz Riegel vor. Hierzulande ist es nicht möglich, den Verkauf von hochprozentigem Alkohol nur noch in Spirituosenläden zu erlauben oder die Rund-um-die-Uhr-Abgabe von alkoholischen Getränken einzuschränken. Andererseits hat Andrea Blome bereits Erfolge in der Zusammenarbeit von Polizei und Ordnungsamt vorzuweisen. Beide Behörden sind zum Beispiel regelmäßig in sogenannten Lärmwagen unterwegs, die Dezibel-Messgeräte an Bord haben, und fahren damit durch die Hotspots. „Da werden auch schonmal Lautsprecherboxen einkassiert“, versicherte die Stadtdirektorin. Ein Haken wird sich bald lösen, stellte sie bis zum Jahresende in Aussicht. Derzeit werde zusätzliches Personal geschult, so dass künftig im Drei-Schicht-Betrieb gefahren werden kann. Bisher ist um 1 Uhr Schluss, also meistens dann, wenn die Belästiger erst so richtig aufdrehen.

Klärung der gewerblichen Konzession

„Die Zeiten, zu denen abends die Bürgersteige hochgeklappt wurden und sich jemand zum ,Asi’ machte, der auf der Straße aus der Flasche trank, kommen nicht wieder“, weiß Wirt Markus Vogt, Kopf der IG Gastro Kwartier Latäng auf der besonders im Karneval von eskalierenden Straßenpartys gebeutelten Zülpicher Straße. Der bekennende Anhänger der Kölner Büdchenkultur wünscht sich eine Klärung der gewerblichen Konzession für Kioske statt der bestehenden „Hardcore-Versorgung der Partymeilen mit alkoholischen Getränken“.

Am liebsten wäre dem Kneipier nach 24 Uhr ein flächendeckendes Konsumverbot im Freien, denn seiner Meinung nach „gehört Feiern in konzessionierte Räume“. Doch solche Entscheidungen liegen beim Gesetzgeber und wurden schon häufig vor Gericht gekippt.

Ruth Wennemar vom Bürgerverein Kölner Eigelstein, die den Austausch moderiert, blieb nicht die Einzige in der Versammlung, die das Gefühl hatte, Verstöße gegen die Sicherheit und Sauberkeit im öffentlichen Raum würden kaum geahndet. „Vieles passiert abseits und noch unterhalb der Strafbarkeit, sorgt aber für Unruhe“, brachte eine Mitstreiterin das Dilemma auf den Punkt.