Die römische Stadtmutter „Agrippina“ kehrt digital zurück und hilft jetzt auf der Webseite der Stadt Köln als Chatbot.
„Agrippina“ hilft mit KIDas kann der neue Chatbot der Stadt Köln

Screenshot des Internetauftritts der Stadt Köln mit dem neuen Chatbot 'Agrippina' (r.), der Fragen von Bürgern mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) beantwortet.
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Bei der Digitalisierung ihrer Verwaltung hat die Stadt Köln einen neuen Meilenstein erreicht. Seit einigen Tagen betreibt sie auf ihrer Homepage einen sogenannten Chatbot, ein interaktives Programm, mit dem man sich per Chat – also per Texteingabe – über verschiedene Angebote der Stadt informieren kann. Benannt ist das Programm nach der Kölner Stadtmutter Agrippina (siehe Infotext unten). Wer es ausprobiert, wird überrascht sein – denn Agrippina antwortet auf Fragen innerhalb von Sekunden mit recht gescheiten Antworten – und das in nicht weniger als siebzehn Sprachen.
„Wir haben den neuen Chatbot am 22. Januar gestartet, natürlich pünktlich um 11.11 Uhr. Es ist eine Eigenkreation des Presseamts, in Abstimmung mit dem IT-Amt. Drei Kollegen aus der Online-Redaktion haben sie mit Unterstützung eines externen Dienstleisters entwickelt“, erzählt Florian Steden, Leiter der Online-Redaktion des städtischen Presseamts.
Der Chatbot sei ganz auf die Bedürfnisse der Stadt Köln und der Nutzerinnen und Nutzer der Internetseite stadt.koeln zugeschnitten. Er liefert nicht etwa vorgefertigte Antworten, sondern antwortet unmittelbar auf die eingegebenen Fragen. Möglich wird das durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). „Wir nutzen dafür als Basis das Programm Open AI Chat GPT“, so Steden. „Die Idee, selbst einen Chatbot aufzubauen, hatten wir im Herbst 2023, als das Thema Chat GPT plötzlich in aller Munde war. Wir haben lange überlegt, ob wir dem Chatbot einen Namen geben sollen, und uns schließlich für Agrippina entschieden. Mutter Colonia, sozusagen.“
Köln: Chatbot Agrippina kann Bürgeranfragen dank KI beantworten
Als Erstes wurde der Chatbot mit den Themen Bundestagswahl, Wohnsitz an- und ummelden, Führungszeugnis und Stadtbibliothek gefüttert. Dazu kann er Antworten geben und Verweise auf die entsprechenden Internetseiten der Stadt verlinken.
„Wir haben bewusst mit wenigen Themen angefangen, weil wir Qualität statt Quantität wollen. Bislang funktioniert das gut“, betont Steden. „Wir haben bereits mehr als 1000 Aufrufe am Tag. Es hat uns positiv überrascht, dass es direkt so viele waren. Am Nutzerverhalten sehen wir, dass die Bürgerinnen und Bürger größtenteils zufriedenstellende Antworten erhalten.“
Ein Praxistest der Rundschau bestätigt das. Wenn man zum Beispiel wissen will, in welches Wahllokal man zur Bundestagswahl gehen muss oder wie man am schnellsten Briefwahlunterlagen beantragen kann, erhält man im Handumdrehen eine Antwort. Auch auf Englisch, Französisch oder Italienisch gestellte Fragen, wie und wo man sich als Neukölner anmelden muss, werden beantwortet. Agrippina versteht Fragen in Deutsch und 16 Fremdsprachen und gibt Antworten in der jeweiligen Sprache.
Das Angebot wird nach und nach ausgebaut. „Nächste Woche kommen die Themen Personalausweis beantragen und Grundsteuerreform dazu“, berichtet Florian Steden. „Danach wollen wir Informationen rund um den Karneval bereitstellen. Wie man Termine im Kundenzentrum vereinbart, weiß der Bot seit dieser Woche.“
Künstliche Intelligenz soll Bürgertelefon der Stadt Köln entlasten
Langfristiges Ziel sei, dass Agrippina irgendwann alle Informationen kennt, die die Stadt auf ihren Internetseiten hat, und diese Informationen in konkreten Antworten auf Fragen der Bürgerinnen und Bürger weitergeben kann. „Wir hoffen, damit auch das städtische Bürgertelefon zu entlasten, da der Chatbot rund um die Uhr Auskunft geben kann“, so Steden.
Im Vergleich zum ersten Chatbot, genannt „KölnBot“, den die Stadt im Jahr 2021 als Pilotprojekt getestet hatte, bedeutet Agrippina einen echten Quantensprung, denn sie kann viel mehr. Der alte Bot konnte nur vorgefertigte Antworten geben und scheiterte oft. „Agrippina ist dank KI wirklich interaktiv. Sie versteht Fragen auch, wenn Tippfehler drin sind“, erläutert Steden.
Agrippina könne auch gut damit umgehen, wenn sie beleidigt werde. „Dann antwortet sie höflich, aber bestimmt.“ Es habe auch schon Versuche gegeben, „ob man sie durch bestimmte Eingaben manipulieren oder zum Absturz bringen kann. Das ist nicht gelungen.“
Nur Kölsch kann Agrippina bisher nicht. „Mal sehen, ob wir das auch noch hinbekommen“, meint Steden.
Die Namensgeberin Agrippina
50 nach Christus brachte Agrippina die Jüngere Kaiser Claudius dazu, ihrem Geburtsort – dem heutigen Köln – den Status einer römischen Kolonie zu verleihen. So wurde ausdem ehemaligen „oppidum Ubiorum“ (Latein für: Stadt der Ubier) die „Colonia Claudia Ara Agrippinesium“ (CCAA). Aus Colonia entwickelte sich der heutige Name Köln.
Die Aufwertung zur Kolonie lockte Händler, Handwerker und Veteranen aus dem gesamten römischen Reich in die Colonia und verhalf der jungen Stadt am Rhein rasch zu großer Blüte. Agrippina die Jüngere gilt seitdem als Kölner Stadtmutter, sie legte den Grundstein für die Entwicklung Kölns zu einer bedeutenden Stadt. Geboren wurde sie 15 nach Christus im „oppidum Ubiorum“, das ihr Urgroßvater Augustus gegründet hatte. Ihr Vater Germanicus war dort Statthalter und Feldherr über vier kaiserliche Legionen. (fu)