Maria Karpathiotaki und Nikos Kasotakis übernahmen 2020 die seit 2008 bestehende Ouzeria. Seitdem haben sie das Konzept komplett umgekrempelt.
Umbau über KarnevalDie Ouzeria folgt mit neuer Optik der eigenen kulinarischen Entwicklung

Der Thekenbereich wurde über die Karnevalstage komplett umgebaut und ist nun um einiges moderner geworden.
Copyright: Thomas Banneyer
Über die Karnevalstage herrschte in der Ouzeria am Brüsseler Platz Hochbetrieb. Nicht etwa, weil dort wild gefeiert wurde, sondern weil die Gastgeber Maria Karpathiothaki und Nikos Kasotakis die Ausnahmesituation in der Stadt nutzten, um ihrem Restaurant ein kleines Update zu verpassen.
Die Ouzeria gibt es seit 2008. Im Jahr 2020 übernahm Karpathiotaki gemeinsam mit Kasotakis das Lokal von ihren Eltern. Bis dahin setzte die Ouzeria auf mediterrane Tapas. Seitdem hat sich einiges getan. Es begann eine langsame, aber stetige Weiterentwicklung des Konzepts.

Die Wand aus Naturstein ist geblieben.
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Die mediterranen Tapas schmeckten den Gästen damals zwar, doch es war nicht das, was Küchenchef Kasotakis wollte. „Mit der Zeit haben wir die Karte immer weiter verkleinert, aber dafür das Niveau immer weiter erhöht“, erklärt er.
Das führte zwar auch dazu, dass die Kunden heute nicht mehr die Kunden von vor fünf Jahren sind. Aber es war der Weg, mit dem Kasotakis in der Küche endlich seine Freiheit und Kreativität ausleben konnte. „So wie es vorher war, war es auch perfekt. Einfache mediterrane Küche ist verdammt cool. Aber das waren nicht wir“, erklärt Karpathiotaki. „Die Renovierung ist das letzte, was noch fehlte, damit die Leute auch von außen sehen: Das ist hier jetzt was anderes.“
Nikos Kasotakis kochte in Washington D.C., London und Athen
Bevor der auf Kreta geborene Küchenchef nach Köln kam, sammelte er auch in anderen Ländern Erfahrung. Er arbeitete in einem griechischen Restaurant in Washington D.C. und in einem Zwei-Sterne-Restaurant in London. Dort traf er auf den französischen Koch Arnaud Bignon. Auch in Athen arbeite Kasotakis mit ihm zusammen. „Von ihm habe ich sehr viel gelernt und viel von ihm übernommen. Wenn man unsere Art zu kochen jetzt vergleicht, findet man viele Gemeinsamkeiten.“
Seine Frau ist am Brüsseler Platz aufgewachsen, machte ihre Hotelfachausbildung im Grandhotel Schloss Bensberg, arbeitete auch im lange Zeit mit drei Michelin-Sternen dekorierten Vendôme von Joachim Wissler. „Ich fand die Spitzengastronomie immer faszinierend, aber auch sehr anspruchsvoll.“
Nach der Ausbildung entschied sie sich daher zunächst gegen die Restaurant- und für die Hotel-Branche. In einem Hotel auf Kreta lernten sich Maria und Nikos kennen und lieben. Und dann ergab sich die Chance, das Restaurant in Köln zu übernehmen. „Alleine hätte ich mir das niemals zugetraut, aber zusammen hat es Sinn ergeben.“ Kasotakis ist der Chef in der Küche, Karpathiotaki zuständig für den Service.
Das griechischste Gericht auf der Karte ist mittlerweile ein Gericht aus Kreta: Das doppelt gebackene Gerstenbrot Dakos, das in der Ouzeria aber komplett verändert wird. Normalerweise wird das Brot mit Tomaten, Kräutern und Feta belegt, Kasotakis macht aus dem Feta einen Schaum, aus der Tomate ein Sorbet, darüber kommen frische Oregano-Blättchen.

Nikos Kasotakis.
Copyright: Ouzeria
Teil der Karte sind zahlreiche Vorspeisen, drei Hauptgerichte und zwei Desserts, aus denen sich der Gast sein eigenes kleines Menü zusammenstellen kann. Die Vorspeisen sind – anders als früher – nicht mehr zum Teilen gedacht. Aus den vielen Einflüssen, die er im Laufe seiner Reise aufgeschnappt hat, hat der Küchenchef seinen eigenen Stil entwickelt, der sich nur schwer in eine Schublade einsortieren lässt.
„Ich koche das, worauf ich Lust habe, egal, wo es herkommt. Ohne Limits und Grenzen“. Fusion-Küche ist das, was es am Ehesten beschreibt. Da kann es schon mal vorkommen, dass auf einem Teller Einflüsse aus drei oder vier verschiedenen Ländern zu finden sind.
Am Anfang war das den Gästen nur schwer zu vermitteln. Ein griechischer Koch, der nicht griechisch kocht? Noch immer kommt es vor, dass Leute sich über die Karte wundern, riesige Portionen mit viel Fleisch erwarten. „Das passiert mittlerweile aber sehr selten“, sagt Maria Karpathiotaki.
Industrieller Charme durch Beton- und Metall-Elemente
Der Thekenbereich ist nun komplett neu gestaltet. Die rote Wand wich einer deutlich moderneren Beton-Optik, die Theke ist mit massivem Nussbaumholz deutlich dunkler geworden, gemeinsam mit dem dominanten Metallregal entsteht ein industrieller Charme. Rechts von der Bar bleibt die riesige Natursteinwand als raumprägendes Element erhalten.
Ein neuer Hingucker mit modernem griechischem Touch ist ein Graffiti im hinteren Bereich des Restaurants. Der griechische Göttervater Zeus wacht darauf über die Gäste und überbringt die wichtige Botschaft: „Dream until it’s your reality“ – Träume, bis es deine Realität ist. „Vielleicht wird es nicht jedem gefallen. Aber es passt komplett zu uns.“

Zeus wacht im hinteren Teil der Ouzeria über die Gäste.
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Wohin die Reise in Zukunft mit dem durchaus ambitionierten Fine-Dining-Konzept gibt, will Nikos Kasotakis offenlassen. Einem möglichen Michelin-Stern jage er nicht um jeden Preis hinterher. „Wenn es passiert, wäre ich natürlich sehr glücklich.“ Für seine Frau sei es in allen möglichen Entwicklungen vor allem wichtig, die lockere und entspannte Atmosphäre der Ouzeria nicht zu verlieren. Fest steht für Kasotakis in jedem Fall. „Wir können noch besser werden, als wir es jetzt sind.“
Ouzeria, Brüsseler Straße 68, 50574 Köln (Belgisches Viertel), Montag bis Samstag ab 17 Uhr, Tel.: 0221 513998, www.ouzeria-koeln.de
Aus der Speisekarte

Schlichte Eleganz: Das Zitronen-Dessert in der Ouzeria.
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VorspeisenRote Bete Tatar – Mango-„Eigelb“| karamellisierte Walnüsse | Apfel-Zitronengras Sauce: 13, 50 Euro
Shiitake – Shimeji Pilze| geräucherter Metsovone Käse | Haselnuss Zwiebel Espuma: 16, 50 Euro Hauptspeisen Iberico – Schwarzwurzel |Ingwer | Zitronengras - Soja Glasur |Pürree aus karamellisierten Zwiebeln und Miso: 43 Euro Kabeljau Filet – Kartoffel Croquetas | “verbrannter“ Mangold | Pilz-Sesam BeurreBlanc mit Kaviar: 44 Euro Dessert Zitrone – Kokosnuss-Eis | Ingwer Crumble | Basilikum-Öl: 11,50 Euro