In den letzten Jahrzehnten sind die Mieten gestiegen. Das belastet vor allem einkommensschwache und zugewanderte Menschen.
Neue StudieTeure Mieten: Ärmere und Zugewanderte besonders betroffen
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29.08.2017 Symbolfoto: Wohnen, Wohnungen, Mieten, Mietshaus, Wohnungsnot Foto: Max Grönet
Copyright: Max Grönert
Die Mietsteigerungen der vergangenen Jahrzehnte haben Menschen mit geringeren Einkommen deutlich stärker getroffen als solche, die hohe Einkünfte beziehen. Das geht aus einer Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung für die Jahre 1990 bis 2020 hervor, die am Donnerstag in Wiesbaden veröffentlicht wurde. Überdurchschnittlich betroffen waren demnach auch Migrantinnen und Migranten.
Miete macht oft fast die Hälfte der Ausgaben aus
Der Studie zufolge wendeten einkommensstarke Menschen 2020 etwa 18 Prozent ihres Einkommens für die Miete auf. Dies seien bei Einheimischen zwei Prozentpunkte mehr als 1990. Bei im Ausland geborenen Menschen betrage die Zunahme drei Prozentpunkte. Insgesamt blieb die Belastung also weitgehend stabil.
Menschen, die zum unteren Fünftel der Einkommensverteilung zählen, wendeten hingegen 2020 durchschnittlich 44 Prozent ihres Einkommens für Miete auf. Dies waren zwölf Prozentpunkte mehr als 1990. Der Anstieg war hier also wesentlich steiler.
Kritische EU-Grenze bei vielen Menschen erreicht
Bei Menschen dieser Einkommensgruppe und Herkunft im Ausland betrug der Anteil der Mietkosten an den Einnahmen 2020 laut der Studie sogar 45 Prozent. Auch die Zunahme seit 1990 fiel hier mit plus 21 Prozentpunkten noch stärker aus.
„Damit überschreiten viele Personen die kritische Grenze der Europäischen Union, die ab einem Mietanteil von 40 Prozent von Mietkostenüberbelastung spricht“, erklärte dazu der Studien-Autor Nils Witte. Einheimische seien bereits seit Mitte der 1990er Jahre in den Bereich der Mietkostenüberbelastung gerutscht, aus dem Ausland Zugewanderte im vergangenen Jahrzehnt.
Schere bei Einkommen geht weiter auseinander
Ursache des gestiegenen Mietkostenanteil am Einkommen ist demnach in erster Linie die Entwicklung der Mietpreise, was Menschen mit Neuverträgen stärker treffe als langjährige Mieterinnen und Mieter. Dies erkläre auch die stärkere Betroffenheit von Zugewanderten.
Hinzu kommen laut der Studie jedoch auch wachsende Einkommensungleichheiten, die die Problematik zusätzlich verschärften. „So sind hohe Einkommen während der letzten drei Jahrzehnte real um etwa ein Drittel angewachsen. Dagegen mussten Menschen mit geringen Einkommen Realeinkommensverluste von einem Fünftel hinnehmen“, erklärte das Institut. (afp)