Von Simone A. Mayer, 12.01.12, 13:23h
Doch wirkliche Trendsetter sind die royalen Bräute nicht, finden Modeexperten. "Man sieht derzeit viele Spitzenelemente - verstärkt natürlich seit dem Hochzeitskleid von Kate Middleton", berichtet Susanne Sixtus, Brautkleiderdesignerin und Mitglied im Verband deutscher Mode- und Textildesigner aus Düsseldorf. "Aber auch schon lange davor lag das im Trend, und sie ist mit dem Trend gegangen."
Und so sieht man in dieser Saison weiterhin viel Spitze in den Katalogen der Hersteller. Designerin Sixtus rät besonders zu Modellen, die mit einzelnen Spitzenelementen punkten. Cymbeline hat beispielsweise so ein Kleid mit tiefem Ausschnitt am Rücken, darüber liegt transparente Spitze. Bei einem anderen Modell wird gar eine Art durchsichtige Bluse über dem Kleid getragen. Kisui zeigt ein Kleid mit nur einem Ärmel aus dicht bestickter Spitze, bei einem anderen sind die Ärmel nur hauchzart sichtbar. Und Linea Raffaeli hat ein komplett mit Spitzenstoff überzogenes Nixenkleid, wobei der Spitzenstoff besonders an den Trägern hervorgehoben ist. Doch obwohl die neuen Prinzessinnen modisch mit dem Strom schwammen, haben sie mit ihren Brautkleidern ein neues Bild der perfekten Braut gezeichnet. Die Zeiten von Tüll und riesigen Pumpärmeln, wie sie die junge Diana von Wales trug, sind vorbei. "Kate Middleton wirkte sehr zart und märchenhaft in ihrem Kleid, ohne dass es kitschig oder überladen gewesen wäre - eine moderne Prinzessin, hat also genau das ausgedrückt, was sie ist", beschreibt Stilberaterin Silke Gerloff aus Frankfurt.
Das Kleid von Charlène habe hingegen durch die schlichte Eleganz des Stoffes und die Ton-in-Ton schimmernden Swarovski-Steine sehr edel gewirkt. "Das war sehr erwachsen, was dem Leben der Trägerin ebenfalls entspricht", sagt Gerloff. Die Modeexpertin zieht daraus als Fazit: Die beiden Vorbilder hatten ihr eigenes Selbstverständnis in ihrem Kleid genau richtig ausgedrückt. Das sollte auch die Braut 2012 tun: Der eigene Geschmack, die eigene Wahrnehmung, aber auch das Alter sollten Kriterien bei der Kleidwahl sein. Und auch die Figur.
Die Kleider von Kate und Charlène betonten die zarten Figuren der Bräute - was aber nichts für jede Braut ist: Tragen dürften das schlanke Frauen, aber nicht Dünne, betont Gerloff. Kurvige Frauen sollten auf eine schöne, formgebende Kontur durch einen festeren Stoff achten und das Kleid nicht zu eng kaufen. Figurumspielend sollte es lediglich sein, rät Gerloff. "Gut sind schlankmachende Nahtführungen, am besten senkrecht oder als Wiener Nähte." Diese führen von der Achsel weg über die Brust hinunter zur Taille. Nähte an der Taille mit Kräuselungen am Rockbeginn seien aber für diesen Figurtyp tabu. Ausladende Kleider sollten Frauen tragen, die ein paar Pfunde verbergen wollen, empfiehlt Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt. "Ein richtiges Ballkleid ist bei breiten Hüften gut. Beim Empirekleid sitzt die Taille ziemlich hoch und es fällt vorne in Falten runter, da kann man etwas verdecken." Und auch hier haben die Hersteller viele Modelle im Angebot: Kleemeier hat beispielsweise ein trägerloses, am Oberkörper eng sitzendes Kleid, ab der Hüfte läuft der Rock weit aus - verziert mit Stickereien. Weise hat ein ähnliches Modell mit aufwendigeren, farbigen Applikationen, die sich auch im Schleier wiederfinden. Auch den Stil des Brautjungfern-Kleides von Kates Schwester Pippa findet man: Das Nixen- oder Meerjungfrauen-Modell bezeichnet der Hersteller Weise als "New Look". Der Schnitt verläuft hier hautnah bis zum Knie, von wo aus er weit ausgestellt ausläuft. "Das ist aber nur etwas für schlanke und androgyne Frauen", betont Rose. Cymbeline verstärkt diese Silhouette gar mit einer großen Schleife unterhalb der Hüfte. Lohrengel hat ein Model mit einer einzigen Blütenranke von der Schulter zum Boden. Durch Schnitt und Form eine tolle Figur zu betonen, ist erlaubt. "Freizügigkeit in Form von nackter Haut ist bei einer Hochzeit eigentlich fehl am Platze", warnt jedoch Silke Gerloff. "Gerne gezeigt werden dürfen die Arme und Schultern, ein schönes Dekolleté - während die Beine bedeckt sind." Denn: "Sexiness entsteht eher durch die Betonung der weiblichen Attribute wie Brust, Taille, Hüfte und dem Zusammenspiel aus eng oben und weit unten."
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30. Juni 2012,
MMC Studios/Glashaus
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